Klosterneugründung in Ostdeutschland
ZISTERZIENSISCHES LEBEN IM KLOSTER NEUZELLE
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„Die Mönche kommen“ Vier Zisterzienser aus Österreich werden ab September im Bistum Görlitz leben. Sie bereiten die Neugründung des Klosters Neuzelle vor. Einmal im Jahr trifft sich das kleinste deutsche Bistum in der Klosteranlage von Neuzelle. Hunderte katholische Christen beten und singen dann und verleben den Tag gemeinsam mit ihrem Bischof Wolfgang Ipolt. Am 3. September ist es in diesem Jahr wieder so weit. Und doch wird es etwas Besonderes sein. Denn mitten unter den Gläubigen werden dann auch vier Zisterziensermönche aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz sein. Sie gelten als Vorhut für die Mönche, die das Kloster in Neuzelle wieder begründen wollen. Vorerst werden die vier im katholischen Pfarrhaus auf dem Klostergelände in Neuzelle wohnen Verhandlungen gehen weiter Die Optionen für eine langfristige Unterbringung einer klösterlichen Gemeinschaft auf dem Areal des ehemaligen Zisterzienserklosters Neuzelle werden derzeit noch geprüft. Die Diözese Görlitz, so teilt das Bistum auf SZ-Nachfrage mit, und das Stift Heiligenkreuz stehen hierzu in „konstruktiven Verhandlungen mit den zuständigen Stellen“, insbesondere der Staatlichen Stiftung Stift Neuzelle, der das Klostergelände gehört, und dem Brandenburgischen Kultusministerium. Dessen Chefin, Martina Münch, hatte schon Anfang des Jahres in Görlitz davon gesprochen, dass die Rückkehr der Zisterzienser dem Ort Authentizität zurückgeben und die Seelsorge stärken werde. Es ist also noch nicht alles in den Töpfen, in denen es kochen soll. Aber nach der grundsätzlichen Entscheidung der Zisterziensermönche des Stiftes Heiligenkreuz im November, in Neuzelle das 1817 aufgehobene Zisterzienserkloster wieder zu besiedeln, sollen nun die vier Mönche die Vorbereitungen an Ort und Stelle treffen. Vier weitere Mönche kommen im Herbst 2018 hinzu, wenn das Kloster dann tatsächlich wieder errichtet wird. Zu der Vorhut zählt neben dem Gründungsprior, Pater Simeon, auch Pater Kilian, der schon im Juli vergangenen Jahres zusammen mit vier Mitbrüdern für zwei Wochen in dem Brandenburger Ort gelebt hatte. Kilian Müller ist als künftiger Ökonom des Klosters vorgesehen. Der gebürtige Hesse, der Betriebswirtschaft in Bamberg, Kulturwissenschaft in Frankfurt/Oder und schließlich Theologie in München studierte, hatte den Kontakt mit den Einwohnern in Neuzelle immer auch als Schlüssel für einen Erfolg der Klosterneugründung genannt. Nur die Begegnung und Präsenz vor Ort könne mögliche Irritationen ausräumen, zeigte er sich schon Anfang des Jahres gegenüber der SZ überzeugt. Die vier Zisterzienser werden daher nicht nur die Wiederbelebung des Klosters vorbereiten, sondern sich auch in der Gemeinde- und Wallfahrtsseelsorge sowie im katholischen Religionsunterricht engagieren. Der katholische Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, hatte die jüngste Entwicklung bei einem Treffen Mitte Mai mit Abt Maximilian Heim und den Mönchen des Stiftes Heiligenkreuz in dem niederösterreichischen Kloster vorberaten. Damals fiel die Entscheidung für die vierköpfige Vorhut. Ipolt vergleicht sie mit den Männern, die der biblischen Überlieferung nach Moses in das Land Kanaan ausschickte, um das neue Terrain zu erkunden. „Ich freue mich, dass jetzt die ersten ,Kundschafter’ in Neuzelle Wohnung nehmen und dieses Land erkunden“, erklärte nun Ipolt, „in dem nur wenige Menschen an Gott glauben. Sie lassen sich ganz sicher auf ein Abenteuer ein –  aber eines, in dem sich ein Auftrag Gottes verbirgt. Davon bin ich überzeugt.“ Neustart nach 199 Jahren Gehen die Pläne der Diözese Görlitz und des Zisterziensterstifts Heiligenkreuz auf, würde das Kloster in Neuzelle 199 Jahre nach seiner Schließung wiederbelebt. Gestiftet worden war es 1268 von Markgraf Heinrich dem Erlauchten aus dem Haus Wettin. Seit 1996 wird das Stift Neuzelle mit dem dazugehörigen Gut als öffentlich- rechtliche Stiftung des Landes Brandenburg geführt. Der Stiftung ist es auch vor allem zu danken, dass die Anlagen und Gebäude so gut in Schuss sind. Erst Anfang Mai wurde die sanierte Kreuzkirche an die evangelische Kirchengemeinde übergeben. Dieses überlieferte Kulturerbe sieht Ipolt auch als eine Saat der Zistenzienser an. „In der Stiftskirche, den Gebäuden und Kunstwerken weht der Geist des Glaubens, den es aber für heute zu erschließen gilt“, sagt der Görlitzer Bischof. Ipolt freut sich nun besonders auf die diesjährige Bistumswallfahrt. „Dann werden wir die ersten Mönche willkommen heißen“, sagt er. „Das ist für unser kleines Bistum ein frohmachendes Zeichen. Denn ich bin überzeugt: Ohne Neuzelle wäre unser Bistum nur halb so viel wert!“  Kulturministerin Münch: Klosterneugründung in Neuzelle 2018 "Ein erhebendes Erlebnis" Mitte der Woche besuchte Martina Münch das österreichische Zisterzienserkloster Stift Heiligenkreuz. Im Interview spricht sie über ihre Gespräche mit Vertretern der Abtei und deren Pläne zur Wiederbesiedlung des brandenburgischen Klosters Neuzelle. KNA: Sie waren zu Besuch im Kloster Heiligenkreuz - wie war es denn? Martina Münch (Brandenburgs Kulturministerin/SPD): Es war eine sehr bewegende, sehr beeindruckende Reise. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass man in diesen zwei Tagen so viel von diesem Ort mitbekommt: Meine Mitarbeiter und ich haben zwei Tage lang das Klosterleben erlebt - von der ersten Andacht um 5:15 Uhr morgens über die Heilige Messe noch vor dem Frühstück bis zum Abendgebet. Und wir waren alle gleichermaßen fasziniert: Wenn man morgens aufsteht, in die dunkle Kirche kommt, und das erste Morgenlicht durch die farbigen Fenster fällt, ist das ein wirklich erhebendes Erlebnis. Man versteht dann plötzlich gut, warum sich Menschen in der heutigen Zeit dafür entscheiden, ins Kloster zu gehen. KNA: Was für Gespräche haben Sie geführt? Münch: Wir haben den Forstbetrieb besucht, die Hochschule und das eigene Sendestudio. Und wir haben einige der 100 Mönche in Heiligenkreuz persönlich kennengelernt. Wir haben beispielsweise mit einem Mönch aus Kleinmachnow gesprochen, der dort als Künstler arbeitet, und mit dem Ökonom des Klosters, der dafür verantwortlich ist, dass sich das Kloster wirtschaftlich trägt. Denn wenn es zu einer Klostergründung in Neuzelle kommt, wird das auch ein Thema sein - Heiligenkreuz besitzt Immobilien in Wien, Landwirtschafts- und Forstflächen in Österreich sowie Eigenbetriebe mit rund 180 Mitarbeitern. Das sind völlig andere Dimensionen als in Neuzelle. KNA: Wie steht es jetzt um die geplante Klostergründung? Münch: Wir sind ein gutes Stück weitergekommen. Klar ist jetzt, dass unser Vertragspartner das Bistum Görlitz sein wird, das wiederum mit dem Kloster Heiligenkreuz ein Übereinkommen schließt. Klar ist auch: Das Land wird kein Geld geben, um den Mönchen ein Kloster aufzubauen. Aber wir werden die Ansiedlung im Rahmen unserer Aufgabe unterstützen, die Landesstiftung Stift Neuzelle weiter zu entwickeln. Da passt eine Klosterneugründung gut hinein. Konkret werden noch in diesem Jahr zwei bis drei Brüder nach Neuzelle kommen, um im katholischen Pfarrhaus zu wohnen. Das wird die Interimslösung sein, bis das entsprechende Gebäude in Neuzelle soweit fertig sein wird. Und zum 750. Gründungstag des Klosters Neuzelle 2018 soll dann das neue Tochterkloster auch offiziell gegründet werden. KNA: Dieses Gebäude wird aber im Moment schon genutzt. Münch: Für die Mönche soll ein Raum entstehen, wo sie nach ihren Regeln leben können und seelsorgerische Aufgaben übernehmen und spirituelle Angebote machen können. Das wäre für das ganze Areal ein großer Gewinn. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass die jetzigen Nutzer ausreichend Platz haben. Das gilt für die Musikschule, die Privatschule und auch die Forst- und Stiftsverwaltung. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer guten Lösung. Das Gespräch führte Benjamin Lassiwe.
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